Mechanisches Lernen

Verpönt ist heutzutage in der Pädagogik mechanisches Lernen, das heißt stures Auswendiglernen, Abschreiben und Rezipieren vorgegebener Texte, bei dem ein inhaltliches Verständnis des Gelernten nicht notwendig ist.

Mechanisches Lernen in der Geschichte

Jahrtausendelang jedoch war den Schülern nichts anderes bekannt als das Abschreiben und Memorieren, von der griechischen über die römische Antike, in den Klosterschulen des Mittelalters, den Volksschulen des Kaiserreichs, bis hin zu den Schulen im Dritten Reich, zu allen Zeiten schien mechanisches Lernen die einzige Möglichkeit, um Schülern, je jünger desto eher, die Grundbegriffe der Kultur näherzubringen. Eigenständiges Denken war nicht gefragt, die Schüler sollten die Ideale der jeweils herrschenden Oberschicht übernehmen, über ein gewisses Grundwissen sollte keinesfalls hinausgegangen werden.

Erleichtert wurde das mechanische Lernen lediglich durch gewisse Mnemotechniken, die bestimmte Lerninhalte mit Gegenständlichem verknüpften, Mönchen fiel es zum Beispiel im 13. Jahrhundert nicht schwer, sich Zahlen dadurch zu merken, in dem sie die einzelnen Teile des Kölner Domes in Gedankenassoziationen mit bestimmten Zahlen verknüpften, eine typische arabische Mnemotechnik bestand darin, sich beispielsweise die Erdteile als Fabelwesen vorzustellen. So war Europa ein geflügelter Drachen, dessen Rachen Livland bildete, die Flügel Irland und Großbritannien, die Füße der Balkan und Italien.

Mechanisches Lernen heute

Dass das mechanische Lernen mittlerweile "aus der Mode" gekommen ist, liegt in nicht unerheblichem Maß an den Veränderungen unserer Gesellschaft. Mitdenken, Mitverantwortung und ein demokratisches Selbstverständnis stehen dem mechanischen Lernen diametral gegenüber, was natürlich nicht heißt, dass es "schadet", mal das ein oder andere Gedicht auswendig zu lernen, allein um sein Gedächtnis zu trainieren. Dennoch liegt der Schwerpunkt des Lernens heute darauf, nicht mechanisch, sondern sinnvoll zu lernen, Verständnis für das Gelernte zu entwickeln, Gedankenassoziationen zu knüpfen um das Erlernte so abzuspeichern und in bereits vorhandenes Wissen einordnen zu können.

Mechanisches Lernen im Fernstudium

Für das Lernen im Fernstudium kann mechanisches Lernen allenfalls dazu dienen, bereits Erfasstes zu vertiefen. Man könnte zum Beispiel Exzerpte zur Wiederholung noch einmal abschreiben oder kleine Abschnitte vor Prüfungen auswendig lernen, um sicher zu sein, dass das bereits Gelernte auch erfasst wurde und ins Gedächtnis eingedrungen ist.