Direkte Gegenkonditionierung

Als Lernen wird nicht nur Aufbau von Wissensstrukturen, sondern auch Veränderung von Verhalten bezeichnet. Diese Verhaltensänderung bezieht sich auf wiederholte Erfahrungen mit einer bestimmten Situation. Eine Möglichkeit so Wissen zu erlangen, ist die sogenannte direkte Gegenkonditionierung.

Was versteht man unter einer "Konditionierung"?

Ganz allgemein versteht man unter Konditionierung einen Prozess, durch den ursprünglich neutrale Reize nach ausreichend häufiger Kombination mit unkonditionierten Reizen zu konditionierten Reizen werden, indem sie annähernd gleiche Reaktionen hervorrufen wie unkonditionierte Reize.
Ein Beispiel hierfür stellt ein Hund bei der Fütterung dar. Vor der Konditionierung löst Futter (unkonditionierter Stimulus) bei dem Hund Speichelfluss (unkonditionierter Reaktion aus) aus. Ein neutraler Stimulus wie z.B. ein Ton, löst bei dem Hund hingegen keine Reaktion aus. Während der Konditionierung wird der Ton mit dem Futter gekoppelt, was bei dem Hund wiederum zum Speichelfluss (unkonditionierte Reaktion) führt. Das eigentliche Ziel ist erreicht, wenn der Hund nach der Konditionierung durch den konditionierten Stimulus, also den Ton, auch mit einer konditionierten Reaktion (Speichelfluss) reagiert.

Gegenkonditionierung gegen negative Konditionierungen

Ein Beispiel aus dem Schulalltag könnte auch folgende Situation sein: Ein Schüler hat Angst vor dem Tadel des Lehrers. Bemerkt er, dass der Lehrer, bevor er tadelt, immer erst die Stirn runzelt, so wird das Stirnrunzeln mit dem Lehrertadel gekoppelt und nach der Konditionierung führt dann auch das Stirnrunzeln alleine schon zur Angst des Schülers. Bei der direkten Gegenkonditionierung handelt es sich um eine Art Aversionstherapie. Hierbei kann eine einst als angenehm erlebte Stimulus-Reaktions-Verbindung durch Darbietung eines stark aversiven Reizes abgebaut werden. Im Gegensatz zur Konditionierung versucht die direkte Gegenkonditionierung also ein bestimmtes Verhalten abzulegen. Die einzelnen Schritte sind dabei gleich wie bei der Konditionierung.

Als Beispiel kann hier der Alkoholkonsum dienen. Alkohol an sich löst keine Reaktion aus, ein Medikament löst aber Übelkeit aus. Wird nun der Alkohol vor oder nach dem Medikament getrunken, so wird die Übelkeit nicht nur mit dem Medikament, sondern auch mit dem Alkohol assoziiert, bis dann schließlich auch Alkohol alleine schon zur Übelkeit führt. Also wird somit das gewünschte Verhalten bei der direkten Gegenkonditionierung abgeschwächt.